Montag, 23. Mai 2016

kurz vorm Ziel ...

wenn auch nur Etappenziel.

Die letzte Woche ist angebrochen und die Tage bis zum nächsten großen Etappenziel sind gezählt.
Es sind noch 4 Tage und, um ehrlich zu sein, macht mir die Vorstellung 111 km vor der Brust bzw. unter den Laufschuhen zu haben, doch etwas Angst.
Wobei Respekt es eher treffen sollte. Denn Angst darf man nicht haben, Respekt sehr wohl.

http://www.hollenlauf.de/l111x.html Höhenprfil :-(
Einen kleinen Vorgeschmack auf Sonnabend konnte ich bei meinem letzen langen Lauf am Sonntag bekommen, als ich mir am PC eine Runde durch den Kellerwald zusammengestrickt habe.
50-60 km sollten es sein, mit ein paar Höhenmetern und nach dem sonntäglichen Spaziergang mit der Liebsten und einem völlig unerwarteten Treffen sollte es losgehen.

Wir fahren also an unseren geliebten Edersee, denn am vergangenen Wochenende verweilten wir ja in der Ferne in Potsdam, um mit Freunden aus der Community unser jährliches Treffen der Running/Laufen-Com bei G+ abzuhalten.
Es wurde inzwischen ausreichend berichtet, sodass ich gern auf die Beiträge von +Clao Wue  "Vortag" und "Lauf" sowie von +Jürgen Weinreich  "Com-Lauf" verweisen möchte.
Schön war´s, auch wenn das Wetter am Lauftag echter Mist war. Aber wenigstens sind die Läufer einigermaßen trocken geblieben, auch wenn uns fast die Finger am Lenker fest froren :-(

zum Glück gab es Treppen :-)

und ab und zu trockene Momente :-)
Wie immer gab es zum Abschied Tränen und feste Vereinbarung zu einem Wiedersehen in 2017. Dann an der Nordsee :-))

Zurück zum Edersee.
Wie immer parkten wir den kleinen Flitzer am Wildpark, denn ich wollte ja Heim laufen und so fährt die Chefin, und machten uns auf unsere Standardrunde.

Wir laufen hinunter in Richtung Sperrmauer, lassen am Schlagbaum ein paar Radfahrern den Vortritt und plötzlich ist unter ihnen mein Treppenfreund Ingmar :-)
Die Gesichter könnt ihr euch sicherlich vorstellen :-))))

Wir staunten nicht schlecht, ist es doch nun schon wieder über 4 Wochen her, das wir gemeinsam den Sächsischen Mt. Everest bestiegen.

Treppenfreunde :-)
Ein Zwischenstopp nach dem Rennsteig und Beine lockern trieben ihn hierher und ich bot ihm gern an, dass wir auch mal gemeinsam eine Runde um den See laufen können. Gern noch Mals ausgesprochen, hiermit :-)

Natürlich gab es auf dem Rest des Weges kaum noch ein anderes Thema, als die Begegnung mit Ingmar. Schließlich ist dieses Erlebnis Treppe so ein einschneidendes, dass kann sicher nur der nachvollziehen, der es selbst mitgemacht hat. Und wie Ingmar berichtete, gab es ein kleines "Klassentreffen" am Rennsteig mit Iwi, Frank und anderen Treppenfinishern :-)

Nach dem Kaffee- und Kuchen-Ritual in der Strandoase am Rehbach war der Weg bis zum Flitzer schnell zurückgelegt und ich konnte in die Laufklamotten springen. Wir verabschiedeten uns und ich machte mich auf den (Heim) Weg.

Schlemmerbuffet :-)
Ich bin bereit :-)
Der Weg führte zunächst zurück zur Sperrmauer, wieder hoch zum Wildpark und dann hinein in den Kellerwald, hoch zum Peterskopf.

Zwischenstopp: Peterkopf auf 540 Meter ü NN
Dummerweise habe ich mich hier erst einmal, trotz Ortskenntnisse, gehörig verfranzt und so eine Ehrenrunde gedreht, sie sich später rächen sollte.

Ich fand doch noch den Weg hinunter ins Banfetal, wenn auch in verkehrter Richtung, so nicht weniger reizvoll.
Das allerbeste allerdings war die Stille.
Nichts.
Nichts außer dem gleichmäßigen auftreffen der La Sportiva auf dem Schotter der Waldautobahn und der Trailpassagen :-)

Es ist einfach traumhaft in der Stille des Waldes unterwegs sein zu können. Weg vom Lärm, weg von Gelaber und störenden Geräuschen.
Erst am Sonnabend lief ich wieder beim Nordhessencup meinen 4. Lauf und war tatsächlich froh, dass ich mich wieder zwischen die Führenden und dem Hauptfeld platzieren konnte und damit in aller Ruhe vor mich hin laufen durfte.
Dies gelang auch bis zum Wendepunkt der 10 km-Läufer ganz gut und konnte ab diesem Zeitpunkt die "frischen" Jungs und Mädels der 10km-Distanz als Ansporn  auf dem Weg zum Ziel nutzen, was mir unterm Strich eine 1:29:36 für 20 km und Platz 4 in der AK40 (hihi) einbrachte.

Peter, Thorsten und Martin (v.l.)
Zurück auf den Trail:
der anfängliche Sonnenschein wurde durch den Wind immer mehr von Wolken ersetzt und ab 18:00 Uhr war von Sonne nichts mehr zu sehen.


Die Aussicht am Peterskopf übers Land habe trotzdem noch genossen, schließlich war die Fernsicht einsame Spitze, wenn nicht der Fuß im Blickfeld wäre :-).


Als ich die Banfe am Einlauf zum Edersee passiert hatte, galt des den Abstieg wieder umgedreht hinauf zu hecheln und nach dem Wettkampf vom Vortag kam nun die Erschöpfung.
Ich muss gestehen, dass ich mehr gegangen bin, als das ich lief und sehr oft die Gelegenheit nutzte, mich in den kühlen Bächen des Kellerwaldes zu erfrischen :-)
Schließlich sind wir im Nationalpark und der gibt einiges an Bächen her :-)


oberhalb der Banfeschlucht 
an der Bathildishütte
am Tannendriesch
Irgendwann hatte ich das Hochspeicherbecken auf der Rückseite dann doch erreicht und erste Regentropfen fielen auf mich hinab. Angenehmer, warmer Landregen. Wundervoll :-)
Die folgenden 7 km hieß er bergab und laufen lassen.


Doch die bis hierher zurückgelegten Höhenmeter, die Kilometer und der Wettkampf gestern machten es immer schwerer.
Schließlich waren es bereits 32 km und 1100 Höhenmeter.

In Mehlen musste ich überfallmäßig die Jausestation stürmen und mir mit einem alkfreiem Weizen das Leben retten. Die Gesichter der wenigen Besucher sprachen Bände und als ich das Glas verdampf hatte machte ich mich auf die letzten 10 km. Denn hier hatte ich mich bereits entschieden, nicht bis nach Hause zu laufen, sondern mich vorm letzten Berg abholen zu lassen.
Richtig. Ich habe aufgegeben :-(
Habe ich das?
Oder habe ich nur eingestanden, an der Grenze zu sein?
Ausreden gibt es viele. Man findet auch immer welche. Aber ich war echt am Ende. Hatte keine Lust mehr, es regnete, hatte Hunger, Durst und kalt wurde es zudem auch noch. Dunkel? Ja das hätte mich auf dem letzten Berg auch noch eingeholt :-(
Also Telefon raus. In 40 Minuten bitte an der Tanke, bitte einsammeln und aus.


Unterm Strich egal.
Fast 50 km sind es geworden und sollten für das nächste Etappenziel beim Bödefelder Hollenlauf reichen. Was willst du noch holen, wenn du heute über die Grenze hinaus gehst? Nichts! Du machst eher was kaputt und 111 km kannst du vergessen.
Also DNF und gut ist.


Wer möchte darf sich gern beim Klick aufs Bild alle Details ansehen.

In Summe steht die vorletze Woche vorm Hollenlauf mit 152 km zu Buche und nun heißt es Regeneration.

KW20
Und das trotz Potsdam, Dienstreise und so weiter ...
Wo soll das nur hinführen?
Kiene Ahnung. Aber ich weiß:
Wer sich bewegt, bewegt was!

Und so werde ich mich weiter bewegen, auf mich achten und hineinhören und aufhören, wenn es nicht mehr geht und freu mir wie Bolle auf den Bödefelder Hollenlauf.

Euch danke ich von ganzem Herzen für das Lesen meines Blog, freue mich, wenn ich euch Inspiration sein darf und freue mich, wenn ihr wieder kommt. Bis dahin. Bleibt alle Gesund und munter.

Mit sportlichen Grüßen
Euer Gnü aus Zü

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